APA0239 AI, II 06.08.2009 12:30:03
Führende österreichische Politiker haben anlässlich des weltweiten Gedenkens an die Opfer der amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 64 Jahren Grußadressen an die Kundgebung der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe Wien gerichtet. Bundeskanzler Werner Faymann (S) bezeichnete den Gedenktag als "Tag der Mahnung". Die Mahnung vor einer Waffe, die "das Potenzial der Auslöschung der Menschheit in sich trägt", hätten bis heute viele nicht verstanden. Die Bundesregierung werde ihre Anti-Atompolitik fortsetzen. Faymann forderte das Inkrafttreten des Atomtest-Stopp-Vertrags (CTBT), denn: "Ohne Tests gibt es keine neuen Waffen. Ohne Tests gibt es keine neuen Nuklearwaffenstaaten".
"Atomwaffen scheinen zur Eintrittskarte zum Club der Mächtigen dieser Welt geworden zu sein", kritisierte Vizekanzler Josef Pröll (V) in seiner Botschaft. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) appellierte an die Staatengemeinschaft, sich in internationalen Institutionen für die Reduktion von Atomwaffen einzusetzen. "Österreich kann und muss in dieser Frage als neutraler Staat auf diplomatischem Wege aktiv sein", unterstrich Prammer. ÖGB-Präsident Erich Foglar will "eine Gesellschaft, in der Friede, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Gleichbehandlung herrschen" und verwies auf diverse Ebenen, auf denen sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für den Frieden einsetzen. Der Nationalratsabgeordnete Alexander Van der Bellen (G) sieht in der näheren Zukunft zwar keine atomwaffenfreie Welt, betrachtet die Verhandlungen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew jedoch als "ein Fünkchen Hoffnung".
Die Wiener Gedenkveranstaltung am Nachmittag beginnt am Stephansplatz und endet mit einem Laternenmarsch zum Teich vor der Karlskirche. Die Veranstalter begrüßen die Entscheidung von US-Präsident Obama, seine Bereitschaft zur Reduktion der Atomwaffenarsenale in die Tat umzusetzen. Verhandlungen mit Russland über Atomwaffenabbau und Rüstungskontrolle hätten begonnen. Jedoch gebe es nach wie vor Gefahren, gegen die vorgegangen werden müsse: "Die ungelösten Probleme der Weiterverbreitung von spaltbarem Material als auch die Einhaltung bzw. Teilnahme am Nichtweiterverbreitungsvertrag (NPT), die Durchführung von Atomwaffentests - obwohl es ein Moratorium gibt - und die Verdächtigungen und Drohungen von Kernwaffenstaaten gegen solche, die keine besitzen."
Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ), forderte in seiner Grußbotschaft die Europäische Union auf, "als Friedensstifterin zu wirken und ihre Verantwortung gegenüber der Weltgemeinschaft wahrzunehmen" und sprach sich entschieden gegen die "militärische Aufrüstungsstrategie" des Lissabon-Vertrages aus. Der Wiener Planungs- und Verkehrsstadtrat Rudi Schicker (S) betonte, "dass das Engagement für eine Welt ohne Atomwaffen und ohne Krieg nicht nur fortgesetzt, sondern noch weiter intensiviert werden muss." SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas sprach der Friedensbewegung ihren Dank dafür aus, "dass sie sich unermüdlich für eine friedliche Welt ohne atomare Bedrohung engagiert". Die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (S) sieht in dem Gedenktag ein starkes Zeichen "für Zivilcourage und eine Gesellschaft, die verantwortungsbewusst und solidarisch denkt und handelt".
Die Nationalratsabgeordnete Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung, schöpft Hoffnung daraus, "dass die beiden Großmächte USA und Russland nun endlich wieder über den Abbau von Atomwaffen verhandeln". "Nein, wir wollen keine Atomwaffen mehr. (...) Wir dürfen Hiroshima niemals vergessen und müssen entsprechend verantwortungsvoll handeln!", betonte Bayr.