APA369 5 WI 0504 II/CI 27.Nov 09
Wien (APA) - Die Umwelt schützen und der Wirtschaft auf die Sprünge helfen könnte die verstärkte Förderung von thermischen Sanierungen im Wohnbau. Das sei für die Regierung letztlich auch billiger als teure Emissionszertifikate zuzukaufen, betonten SP-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter und SP-Umweltsprecherin Petra Bayr heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wünschen sie sich ein Fördervolumen von 450 Mio. Euro, zinsenfreie Kredite und Haftungen der öffentlichen Hand. 2,4 Mio. Wohneinheiten seien dringend sanierungsbedürftig, 1 Million davon akut.
Hintergrund des SP-Vorstoßes ist Österreichs Verfehlen der Kyoto-Ziele: Zwischen 2008 und 2012 wird das Budget mit 531 Mio. Euro für den Kauf von Emissionsrechten belastet. "Durch den Kauf von Zertifikaten spart Österreich kein einziges Kilo CO2 ein", kritisierte Bayr. Das Geld sei einfach weg.
Im Konjunkturpaket II vom Frühjahr 2009 waren bereits 100 Mio. Euro für die thermische Sanierung vorgesehen. Die Förderungen waren innerhalb von zwei Monaten ausgeschöpft. 60,5 Mio. Euro davon flossen in den privaten Wohnbau. Gefördert wurden allerdings nur Einfamilienhäuser. Empfehlenswert wäre den SP-Vorstellungen zufolge eine deutliche Erhöhung des Fördervolumens auf jährlich 150 Mio. Euro und eine Ausweitung auf Eigentums- und Mietwohnungen.
Die Förderungen im Konjunkturpaket II hätten zudem besonders die oberen Einkommen unterstützt. Niedrigere Einkommen hätten von dem Prämienmodell nicht profitiert, da die Anfangsinvestitionen gar nicht getätigt werden hätten können, so Matznetter. "Thermische Sanierung muss aber für alle leistbar sein. Wir fordern daher zinsfreie Kredite, für die die öffentliche Hand haftet und die von allen in Anspruch genommen werden können, und zwar rasch und unbürokratisch."
Das Fördermodell müsse verändert werden - die Anträge sollten einfach verständlich sein und bei der Hausbank um die Ecke abgegeben werden können. Auch die Deckelung der Förderhöhe von 5.000 Euro sieht Matznetter als zu niedrig an. Er wünscht sich für die privaten Wohnungen einen Modernisierungsschub wie in den 70er Jahren, als in Wien großflächig von Stadt- auf Erdgas umgerüstet wurde und 1,5 Mio. Geräte bei mehr als 750.000 Kunden auf eine moderne und umweltfreundliche Gasversorgung umstellten.
Die Umstellung der Heizanlage einer durchschnittlichen Wohnung von Öl auf Pellets bringe den Bewohnern eine deutliche Verringerung ihrer jährlichen Heizkosten von rund 850 auf 350 bis 400 Euro. Wenn in den nächsten fünf Jahren 100.000 Haushalte jährlich gefördert würden, entspreche dies einem Investitionsvolumen von 7,5 Mrd. Euro – das Fördervolumen mache 450 Mio. Euro aus, rechnete Matznetter vor.
"Diese relativ geringen Aufwendungen durch den Staat stehen die Sicherung von 15.000 Arbeitsplätzen und Einnahmen für den Staat von 870 Mio. Euro gegenüber, weiters würden über 600.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Förderanträge und Sanierung sollten bereits 2010
möglich sein.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) hat diese Woche für 2010 bereits die Summe von 100 Mio. Euro für thermische Sanierung in Aussicht gestellt. Dafür wären aber wohl "alternative Finanzierungsquellen" nötig, sagte er, denn Finanzminister Josef Pröll (V) "geht davon aus, dass wir da nichts brauchen", hatte er vor Journalisten gesagt.
(Schluss) kre/eun
APA369 2009-11-27/13:48