Favoritner Nationalratsabgeordnete der SPÖ

Nationalrat, XXIV. GP, 22. Oktober 2009, 41. Sitzung

20.00
Abgeordnete Petra Bayr (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Auch ich begrüße die Novelle zum Artenhandelsgesetz, finde auch die Konzentration des Vollzugs auf die Zollbehörde gut und möchte festhalten, dass wir prinzipiell, auch in Österreich, steigende Tendenzen beim Verstoß gegen das Artenhandelsgesetz feststellen, und zwar sowohl auf Seiten des gewerblichen als auch auf Seiten des privaten „Verstoßes“ – unter Anführungszeichen.

Ich möchte auch anmerken, dass gerade im gewerblichen Bereich sehr oft lebende Tiere geschmuggelt werden, wo dann zum Beispiel Papageien in Klopapierrollen hineingesteckt, in Koffer gestapelt und ohne Nahrung und ohne Wasser durch die halbe Welt transportiert werden. Das führt dazu, dass etwa 90 Prozent der lebend geschmuggelten Tiere während des Transportes verenden, qualvoll verenden. Dies hat mittlerweile auch den Effekt, dass zum Beispiel alleine im Amazonasgebiet etwa 20 Milliarden US-Dollar Umsatz mit dem Handel und dem Schmuggel von Tieren und Pflanzen, die auf roten Listen stehen und deren Handel verboten ist, gemacht werden.

Wir wissen auch, dass diese Tiere, wenn sie noch leben, oder die 10 Prozent, die überleben, dann in Laboratorien oder privaten Zoos landen. Manche werden aber auch zu Potenzmitteln verarbeitet oder zu irgendwelchen Statussymbolen. Und auch bei Pflanzen gibt es das ganz konkrete Problem, dass immer mehr sogenannte Aliens auch nach Österreich – auch per Internet bestellt – geschmuggelt werden, was dann zu Schwierigkeiten, zum Teil auch zu genetischen Schwierigkeiten beim Zusammentreffen mit den heimischen Arten führt.

Im touristischen Verstoß gegen das Artenhandelsgesetz spielt natürlich die Frage der Globalisierung eine große Rolle, aber sehr oft auch das mangelnde Unrechtsbewusstsein, die Unkenntnis, dass etwas verboten ist. Ich denke mir, dass es da sehr sinnvoll wäre, viel enger und viel intensiver mit Reiseanbietern, mit Reisebüros zusammenzuarbeiten, um Touristen über die bestehenden Verbote zu informieren.

Genauso wichtig ist es, natürlich auch Zollbeamte zu schulen. Und ich habe einen ganz konkreten Vorschlag zu machen: Abgesehen von der Schulung denke ich mir, dass es sinnvoll wäre, auch kompetente fachliche Hilfe anzufordern. Es gibt am Flughafen Frankfurt seit mittlerweile einem Jahr zwei Artenschutzspürhunde namens Amy und Uno, die schnüffelnd mithelfen, Artenschutzverstoße zu ahnden. Und bei ihrem Einsatz haben sie in Frankfurt zum Beispiel einen Bärenschädel, einen ausgestopften Puma, verbotenen Kaviar, Elfenbeinfiguren, Produkte aus Schlangenleder, Haifischflossen, Primatenschädel und sonstige Perversitäten erschnüffelt.

Ich bin überzeugt, dass wir die Erfahrung der deutschen Kolleginnen und Kollegen auch uns zunutze machen und tierische Unterstützung, tierische Verstärkung beim Zoll einsetzen sollten und mit den Hunden gemeinsam den Kampf für die Biodiversität und den Artenschutz aufnehmen sollten. Im Übrigen freue ich mich über die einhellige Annahme dieser Novelle. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)
20.03