APA352 5 AI 0453 WI/CI 06.Dez 10
Wien (APA) - Anlässlich der Verleihung des Alternativen Nobelpreises 2010 an den österreichisch-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler haben "Welthaus Wien" und die Dreikönigsaktion (DKA), Hilfswerk der Katholischen Jungschar, vor der Wiener Niederlassung der Grazer "Andritz AG" in Wien-Meidling gegen die Beteiligung der Firma am Staudamm-Projekt Belo Monte in Brasilien protestiert. Die Wiener Polizei sprach gegenüber der APA von maximal 20 Teilnehmern.
Kräutler, Bischof von Altamira-Xingu, erhält den Alternativen Nobelpreis am heutigen Montag in Stockholm in Würdigung seines lebenslangen Einsatzes für die Rechte der indigenen Völker und für sein Engagement gegen die Zerstörung des Amazonas-Gebiets. In jüngster Zeit hatte der 71-jährige Bischof insbesondere durch seinen scharfen Protest gegen das Mega-Staudammprojekt "Belo Monte" am Xingu-Fluss auf sich aufmerksam gemacht.
"Belo Monte wird unter Missachtung internationaler Konventionen und der brasilianischen Verfassung durchgepeitscht und hätte dramatischen Auswirkungen auf die einzigartige Natur und die (indigene) Bevölkerung am Xingu-Fluss. Mehrere europäische Unternehmen, darunter die österreichische Andritz AG beabsichtigen sich an der Errichtung von Belo Monte zu beteiligen", heißt es auf der DKA-Homepage.
Die Umweltschutzorganisation ECA Watch hat Kräutler zu seiner Auszeichnung gratuliert. Der Kampf gegen Staudämme werde laut ECA Watch "immer wichtiger". Auf der Klimakonferenz in Cancun sei von neuen Staudämmen als Beitrag zum Klimaschutz die Rede, besonders von Brasilien. "Über die Folgen dieses Ausbauwahns redet niemand. Hier wird versucht Klimaschutz gegen Natur- und Menschenschutz auszuspielen", so Ulrich Eichelmann von ECA Watch aus Cancun, wie es in einer Aussendung der Organisation am Montag hieß. Die brasilianische Regierung möchte laut ECA Watch neben China zur globalen Staudammweltmacht aufsteigen.
Auch SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr gratulierte Kräutler zum Erhalt des Alternativen Nobelpreises 2010. "Der Einsatz von Bischof Erwin Kräutler für den Schutz und die Rechte von indigenen Völkern, von Kleinbauern und Landarbeitern in Brasilien, ist beispielhaft und ein Vorbild für alle Menschen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen", so Bayr in einer SPÖ-Aussendung. Seit Jahrzehnten habe Kräutler, "teilweise unter Einsatz seines Lebens, für die Menschen und die Umwelt Brasiliens gekämpft".
Ebenfalls beachtenswert sei Kräutlers Engagement gegen den umstrittenen Kraftwerksbau von Belo Monte, so Bayr. "Der Baustopp im April 2010 war ein wichtiger Erfolg für den Schutz der indigenen Völker und der Umwelt", sagte die Politikerin, die erneut die Unterzeichnung und Ratifizierung der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz indigener Völker durch Österreich forderte. "Die Rechte der indigenen Völker werden trotz zahlreicher Mitbestimmungsfortschritte nach wie vor missachtet, etwa wenn deren Lebensraum zugunsten profitträchtiger Projekte zerstört werden soll. Österreich hat die Möglichkeit und damit auch die Pflicht, durch die Unterzeichnung der ILO-Konvention 169 politischen Druck auf jene Staaten auszuüben, die die Rechte der Indigenen vernachlässigen", so Bayr. (Schluss) vib
APA352 2010-12-06/14:22