APA603 5 AA 0485 AI 09.Nov 10
Rabat/Wien (APA/dapd/dpa) - Unruhen mit insgesamt sieben Toten haben den Beginn von neuen UN-Gesprächen über den Status der westafrikanischen Region Westsahara überschattet. In der Hauptstadt des von Marokko seit 31 Jahren besetzten Gebietes, Laayoune, kam es auch am Dienstag nach Berichten der Befreiungsbewegung Polisario wieder zu Zusammenstößen zwischen marokkanischen Soldaten und der angestammten Volksgruppe der Sahrauis.
Marokkanische Sicherheitskräfte hatten am Montag bei Sonnenaufgang ein Zeltlager von Demonstranten gestürmt, die gegen die schlechten Lebensbedingungen der Sahrauis protestieren wollten. Bei den Auseinandersetzungen in dem zehn Kilometer östlich von Laayoune gelegenen Lager kamen Medienberichten zufolge fünf Angehörige der marokkanischen Sicherheitskräfte ums Leben.
Die Gewalt griff dann auf Laayoune über, wo zwei Demonstranten getötet worden sein sollen. Mehrere hundert weitere Sahrauis seien verletzt worden, hieß es. Der Polisario zufolge gab es auch zahlreiche Festnahmen. Diese seien der Anlass für die neuerlichen Unruhen am Dienstag gewesen, hieß es weiter.
Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975 zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko besetzte aber das gesamte Territorium, nachdem sich Mauretanien 1979 zurückgezogen hatte. Die Befreiungsbewegung Polisario nahm daraufhin den bewaffneten Kampf auf, der 1991 mit einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand endete.
Die Polisario tritt für die Unabhängigkeit der an Rohstoffen reichen Region ein. Die Exilregierung der von Polisario ausgerufenen Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) hat ihren Sitz in der algerischen Wüste bei Tindouf, wo zehntausende Menschen in Flüchtlingslagern leben. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen begann in der Nähe von New York am Montag ein zweitägiges informelles Treffen zwischen der marrokanischen Besatzungsmacht und der Befreiungsbewegung Polisario.
In Wien forderte die Nationalratsabgeordnete Petra Bayr (S) als Mitglied des parlamentarischen Menschenrechtsausschusses eine Westsahara-Initiative Österreichs im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Nach den jüngsten Vorkommnissen in dem von Marokko besetzten Gebiet rief die Politikerin am Dienstag laut Parteipressedienst Außenminister Michael Spindelegger (V) auf, den Sicherheitsrat zu aktivieren. "Österreich ist bis Ende des Jahres Mitglied des UN-Sicherheitsrats und hat hier besondere Verantwortung zu tragen", hob Bayr hervor.
"Das massiv gewaltsame Vorgehen Marokkos ist ein beispielloser Affront, dem täglich Menschen zum Opfer fallen, und muss endlich gestoppt werden", erklärte die Abgeordnete. "Weder sind Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, wie sie in der Westsahara seit Jahrzehnten andauern, zu dulden, noch darf die UNO zulassen, dass ihre fortdauernden Vermittlungsbemühungen derart konterkariert werden."
Die Zerstörung einer Zeltstadt durch marokkanische Sicherheitskräfte habe etwa 20.000 Menschen getroffen, die offenbar unter Wasserwerfern und Tränengas von Hubschraubern aus gejagt worden seien.
"Das dies unmittelbar vor den neuen Gesprächen (in den USA) unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geschehen ist, macht diesen an sich schon empörenden Gewaltakt zu einer Gefährdung der Glaubwürdigkeit der UNO, wenn hier nicht sofort und scharf reagiert wird - diese Situation ist nicht nur für die seit Jahrzehnten drangsalierten und unterdrückten Saharaui unerträglich, sondern auch für die Internationale Staatengemeinschaft nicht duldbar", betonte Petra Bayr. (Schluss) ed
APA603 2010-11-09/18:33