Favoritner Nationalratsabgeordnete der SPÖ

Aids und HIV - Anstieg der Neuinfektionen bei Frauen

Utl.: Späte Diagnosen laut österreichischem Netzwerk großes Problem
- Stigmatisierung bei ärztlicher Versorgung und am Arbeitsmarkt

Die weibliche Bevölkerung ist beim Thema HIV laut dem Netzwerk "Frauen und Aids in Österreich" schlechter dran als der männliche Part. "In den vergangenen Jahren ist ein Anstieg der Neuinfektionen bei Frauen zu verzeichnen", betonte Sabine Lex, Netzwerkmitarbeiterin und Vertreterin der Aids Hilfe Wien am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Ein großes Problem, das wir beobachten, sind vor allem späte Diagnosen." Diese bringen ein höheres Sterbe- und Krankheitsrisiko mit sich und betrafen laut einer Studie mehr als die Hälfte der Testteilnehmerinnen in den Jahren 2001 bis 2010.

Neben der Stigmatisierung infizierter oder erkrankter Frauen in der Gesellschaft, im Privatleben sowie am Arbeitsplatz kritisierte das Netzwerk vor allem Defizite und Vorurteile bei der ärztlichen Versorgung. "Uns stört, dass in der medizinischen Ausbildung sehr viel Information zu HIV und den Übertragungswegen fehlt, das betrifft auch das Pflegepersonal", kritisierte Maria Jonas von "Frauen und Aids in Österreich". Viele Fachärzte würden die Behandlung von HIV-Positiven verweigern, selbst in Wien fänden Betroffene nur schwer einen Zahnarzt oder einen Gynäkologen.

"Isolation betrifft vor allem Frauen", ergänzte Lex. Beispiele dafür nannte Wiltrut Stefanek vom Selbsthilfeverein PULSHIV, die sich vor 16 Jahren infiziert hatte und damit später an die Öffentlichkeit ging. Als Arbeitslose suchte sie bisher erfolglos eine Stelle im Handel: "Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass HIV ein großes Problem für einen potenziellen Dienstgeber ist", erzählte Stefanek, die auf einen offeneren Umgang mit dem Tabuthema hofft.

Die Hälfte der weltweit 33 Millionen Menschen mit HIV bzw. Aids ist weiblich. In Osteuropa steigen die Infektionen durch Sexarbeit und intravenösen Drogenkonsum am rasantesten. In Österreich geht das Gesundheitsministerium von bis zu 9.000, die Aids Hilfe Wien von 12.000 bis 15.000 HIV-Patienten aus, von denen etwa ein Drittel weiblich ist. Etwa 21 Prozent der 1.278 Aids-Kranken in Österreich sind Frauen. Knapp 45 Prozent der weiblichen Infizierten bzw. Erkrankten leben in Wien, weitere 16 Prozent in Graz, Linz, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt.

SPÖ-Abgeordnete Petra Bayr hob in einer Presseausendung zum Thema Aids die alarmierende Situation der weiblichen Bevölkerung in ärmeren Ländern hervor: "In manchen Staaten des südlichen Afrikas sind bis zu 41 Prozent aller schwangeren Frauen HIV positiv, viele von ihnen sind aufgrund schlechter medizinischer Grundversorgung und Geldmangel ohne jede Behandlung."

Aussender: APA