"Kleine Zeitung" vom 29.03.2011 Seite: 30
Ressort: Wirtschaft, Steiermark
Die Salzburger Porsche Holding, seit 1. März offiziell Bestandteil des VW-Konzerns, soll ihre Eigenständigkeit und ihr Geschäftsmodell behalten und zusätzliche Arbeitsbereiche bekommen, erklärte gestern VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Wie berichtet hat VW Anfang März die Porsche Holding (12,8 Milliarden Euro Umsatz, 20.900 Mitarbeiter) übernommen. Der Kaufpreis für den von den Familien Piëch und Porsche verkauften größten privaten Autohändler Europas (VW, Audi, Seat, Skoda und Co.) betrug brutto 3,3 Milliarden Euro. Die Eigentümerfamilien benötigen den Erlös, um bei der bevorstehenden Kapitalerhöhung der Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche mitziehen zu können.
Porsche will mit einer Kapitalerhöhung knapp fünf Milliarden Euro erlösen und die Schulden so deutlich unter zwei Milliarden Euro drücken. Der Schuldenabbau gilt neben der Klärung einiger juristischer Probleme als der wichtigste Baustein für die geplante Fusion mit Europas größtem Autobauer Volkswagen, an dem Porsche derzeit etwas mehr als die Hälfte der Stimmrechte und rund ein Drittel des Kapitals hält. Endziel ist ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken, Porsche inklusive.
Während es bei VW und Porsche sukzessive zu einer Annäherung kommt, verhärten sich die Fronten zwischen Porsche Austria und dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Wie berichtet hat Porsche den VCÖ auf Unterlassung geklagt. Dabei geht es um eine für die VW-Produkte wenig schmeichelhafte VCÖ-Presseaussendung zum Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2), wodurch sich die Porsche AG fälschlich an den Pranger gestellt sieht. „Anstatt endlich seine Hausaufgaben zu machen und spritsparendere Fahrzeuge anzubieten, will der VW-Konzern lieber eine Organisation mundtot machen, die sich für klimafreundliche Mobilität einsetzt“, solidarisierte sich gestern die Greenpeace-Sprecherin Claudia Sprinz mit dem VCÖ. Und für die SPÖ ist die Klage „einfach nur peinlich“. Anstatt nachhaltig zum Klimaschutz beizutragen, „betreibt VW nun durch die Klage gegen den VCÖ nachhaltig Imageschädigung“, so SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr.