"Kurier" vom 13.03.2011                                    Seite: 6
Ressort: Weltchronik

"Weltweites Atom-Aus ist die einzige Antwort"

Einen sofortigen, weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie - das fordern österreichische Politiker quer durch die Parteien als Reaktion auf die Ereignisse in Japan.

   Atomenergie sei "weder zukunftsfähig noch nachhaltig, sondern nur hochgefährlich", sagt SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. "25 Jahre sind seit dem Super-GAU in Tschernobyl bereits vergangen - und die Atomlobby ist kein bisschen weiser. Auch weil sich Naturkatastrophen wie Erdbeben "nicht verhindern lassen, birgt die Atomkraft immer ein enormes Risiko", sagt Bayr. "Es ist unverantwortlich, Risikotechnologien wie die Atomkraft zu verwenden, ein Umdenken der Atomlobby ist zwingend."

   Sicherheitslüge

   Grünen-Chefin Eva Glawischnig meint, "die Jahrhundertkatastrophe in Japan zeigt eines ganz klar: All jene, die behaupten, Atomkraftwerke können sicher sein, irren. Japanische Atomkraftwerke gelten als die sichersten der Welt. Schweren Naturkatastrophen halten auch sie nicht stand." Glawischnig fordert die Bundesregierung auf, sich in der EU für einen europäischen Atomausstieg stark zu machen: "Die EU und Österreich müssen jetzt - gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft - Japan rasch helfen. Mit der selben Konsequenz muss die EU jetzt aber auch den europäischen Atomausstieg zum Ziel erklären."

   Risiko

   Atomkraft trage nur zu rund sechs Prozent zur weltweiten Energieversorgung bei, erklärte Glawischnig. "Sie hat gleichzeitig aber ein gewaltiges, grenzüberschreitendes Gefährdungspotenzial. Ein weltweiter Atomausstieg ist die einzige Antwort."

   Für den freiheitlichen AKW-Sprecher Werner Neubauer hat sich in Japan die "hässliche Fratze der vermeintlich friedlichen Nutzung von Atomkraft offenbart". Und auch BZÖ-Energie-Sprecher Rainer Widmann fordert einen "sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft. Es zeigt sich, dass diese Technologie im Ernstfall einfach nicht beherrschbar ist".

   Hilflosigkeit

Greenpeace Österreich kritisiert, die japanischen Behörden stünden "einer solchen Katastrophe in Wahrheit hilflos gegenüber". Denn: "Es ist das eingetreten, was nicht eintreten hätte dürfen", sagt Greenpeace-Sprecher Steffen Nichtenberger. Die Informationspolitik der japanischen Behörden sieht Nichtenberger als "problematisch": "Auf eine Horror-Meldung folgt eine Entwarnung und wieder eine Horror-Meldung."