Favoritner Nationalratsabgeordnete der SPÖ

Hohes Haus (12:00) - Bundeshymne: Bürgerinitiative gegen Töchter

Pawlicki Patricia (ORF)
   Der Sänger Andreas Gabalier sorgte mit seiner demonstrativen Weigerung, beim
   Formel I-Grandprix in Spielberg, Sie wissen das vielleicht noch, die
   offizielle Version der Bundeshymne zu singen, für eine ziemliche Aufregung.
   Der Volksmusiker hatte ja die Bundeshymne dort wieder in der alten Version,
   also ohne "Töchter", gesungen. Erst vor drei Jahren fanden die Töchter
   ihren Weg sehr mühsam in die Bundeshymne. Aber Gabaliers Weigerung hat
   einige, sogar ziemlich viele Anhänger. Konkret gibt es jetzt eine
   Bürgerinitiative, die wieder alles so haben möchte wie früher in der Hymne.
   Johanna Schwingshandl berichtet:

Rossouw Susanne (ORF)
   Dieser Auftritt von Andreas Gabalier hat die Gemüter erhitzt. Beim Formel
   I-Grand Prix in Spielberg im Juni hat er beim Singen der Bundeshymne die
   Töchter ausgelassen. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat ihm
   darauf eine Lernhilfe gegeben, die im Internet für viel Aufregung gesorgt
   hat. Der Streit um den Text der Bundeshymne hat nun neuerlich das
   Parlament, konkret den Petitionsausschuss, erreicht. Grund ist eine von 615
   Bürgern und Bürgerinnen unterstützte Initiative zur Wiederherstellung der
   Original-Bundeshymne. Mittlerweile hat die Initiative bereits 1 600
   Unterschriften. Der Erstunterzeichner Albrecht Mandl war zu einem
   Fernsehinterview nicht bereit. In einer schriftlichen Stellungnahme an das
   Parlamentsmagazin "Hohes Haus" sagt er wörtlich, "die großen Söhne würden
   bereits allegorisch für das gesamte österreichische Volk stehen und die
   Töchter seien folglich nicht nötig". Anders sieht das die Germanistin und
   Genderwissenschaftlerin Anna Babka:

Babka Anna (Universität Wien)
Ich denke, dass eine Hymne diese zwei Geschlechter im Text verträgt, und
nicht nur verträgt, sondern sie auch verdient, und vor allem die
Staatsbürgerinnen dieses Landes es verdienen, angesprochen zu werden.

Rossouw Susanne (ORF)
Nach der Autorin der Bundeshymne, Paula von Preradovic, ist in Wien auch
eine Gasse benannt. Der Richteramtsanwärter Albrecht Mandl sieht durch den
Einschub der Töchter das Versmaß gestört sowie das Urheberrecht der
Verfasserin verletzt - dies sei aber nicht der Fall:

Babka Anna (Universität Wien)
Das Urheberrecht hat ja auch kein wirkliches Problem, es gibt ja so etwas
wie Adaptionen von poetischen Texten oder Möglichkeiten, Texte zu
aktualisieren.

Rossouw Susanne (ORF)
Zum Thema gendergerechter Sprache vertritt Herr Mandl folgenden Standpunkt:
"Das Gendern steht der menschlichen Freiheit auf undemokratische Weise
entgegen, indem es sie zugunsten eines falsch verstandenen überbordenden
Gleichheitsverständnisses übermäßig beschränkt".

Babka Anna (Universität Wien)
Weil nur, wenn man die Sprache ändert, verändert man die Gesellschaft.

Rossouw Susanne (ORF)
Unter den Abgeordneten gehen die Meinungen ebenfalls auseinander - SPÖ, ÖVP
und Grüne sind klar für die Beibehaltung der jetzigen Fassung.

Bayr Petra (SPÖ)
Ja, wir sind da, es gibt Töchter, und darum gehören sie auch in die
Bundeshymne, wie überall sonst ja auch überall in den Staat hineingehören,
von Ämtern, Richterinnen, Politikerinnen, Wirtschaftstreibende, natürlich
gehören sie auch in die Hymne, ja.

Diesner-Wais Martina (ÖVP)
Wir haben momentan ja eine gesetzliche Regelung, und die besteht und nach
der halten wir uns natürlich. Bürgerinitiativen sind natürlich immer
erwünscht und nehmen wir auch gerne an, und diskutieren, glaube ich, muss
man über alles können, und so halten wir das.

Brunner Christiane (Die Grünen)
Inhaltlich unterstütze ich dieses Anliegen nicht, ich glaube, es war eine
lange Diskussion um den neuen Text der Bundeshymne, ich finde es mehr als
gerechtfertigt, dass auch die österreichischen Frauen einen Platz in der
Bundeshymne haben, und kann nicht ganz nachvollziehen, dass man ein Problem
mit diesem Text haben kann.

Rossouw Susanne (ORF)
Im Team Stronach will man sich nicht festlegen:

Schenk Martina (Team Stronach für Österreich)
Ich habe jetzt kein Problem und ich glaube auch nicht, dass Frauen dadurch
jetzt mehr haben, mehr verdienen, den Alltag leichter bewältigen können,
wenn sie in der Bundeshymne erwähnt sind. Also es ist meines Erachtens kein
Problem, ich sehe das Ganze sehr neutral und stehe dem Ganzen neutral
gegenüber.

Rossouw Susanne (ORF)
Eindeutig für den alten Text ohne Töchter sind die Freiheitlichen:

Mühlberghuber Edith (FPÖ)
Ich trete für eine Bundeshymne ohne Töchter ein, für die Wiederherstellung
der alten Bundeshymne.

OFF Sprecherin (ORF)
Wie singen Sie persönlich, im privaten, die Bundeshymne?

Mühlberghuber Edith (FPÖ)
So, wie sie immer gesungen wurde.

OFF Sprecherin (ORF)
Also ohne Töchter?

Mühlberghuber Edith (FPÖ)
Ohne Töchter.

Rossouw Susanne (ORF)
Der Ausschussobmann von den NEOS hält die Erwähnung der Töchter für wichtig,
ja sogar überfällig. Sein Eindruck zur Sitzung:

Pock Michael (NEOS - Das Neue Österreich)
Leidenschaftlich laut, mit Unterbrechungen, und am Ende haben wir dann auch
das gelöst.

OFF Sprecher (ORF)
Wie wurde das gelöst?

Pock Michael (NEOS - Das Neue Österreich)
Wir haben eine Stellungnahme beim Kunst- und Kulturministerium angefordert,
damit wir von dort einmal die Experten- und Expertinnenmeinung erhalten,
wie wir damit umgehen, welche Möglichkeiten es gibt, und das werden wir
dann auch der Bürgerinitiative mitteilen.

Rossouw Susanne (ORF)
Im Innenhof der Universität Wien protestiert die Schattensilhouette einer
weiblichen Figur mit geballter Faust gegen die männliche Übermacht in
Wissenschaft und Gesellschaft. Ihr Titel: "Der Muse reichts".

Babka Anna (Universität Wien)
Das ist sozusagen die Frau, die Wissenschaftlerin von heute, wie sie hier
steht und für ihre Wissenschaft einsteht und ihre Frau steht.

Rossouw Susanne (ORF)
Reichen tut es inzwischen auch vielen Österreicher/innen, auch wenn sich
längst noch nicht alle an den neuen Text gewöhnt haben.