Favoritner Nationalratsabgeordnete der SPÖ

Abgeordnete/r zum Nationalrat
Petra Bayr


An Frau
Präsidentin des Nationalrates
Mag.a Barbara Prammer

Parlament
A-1017 Wien 


Wien, am 4. Oktober 2011


Sehr geehrte Frau Präsidentin!

In der Anlage überreiche ich Ihnen gem. §100 (1) GOG-NR die
Petition betreffend der Etablierung eines Weltmädchentags der Vereinten Nationen.

Mit der Bitte um geschäftsordnungsmäßige Behandlung dieser Petition verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen
Petra Bayr 

Anlage

 

Petition zur Etablierung eines Weltmädchentags der Vereinten Nationen

Mädchen und Frauen repräsentieren etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Sie spielen in ihren Gesellschaften eine zentrale und unverzichtbare Rolle. Insbesondere in Entwicklungsländern leisten sie einen erheblichen - meist unbezahlten - Beitrag zum Bruttosozialprodukt und sind die treibende Kraft für ihre Familien und Gemeinden. Selten wird dies entsprechend gewürdigt. Viel eher erfahren sie in weiten Teilen der Erde von Geburt an Benachteiligung, Ausbeutung, Gewalt und Ausgrenzung, was weichenstellende Bedeutung hat und die Grundlage bildet für die häufig lang nachwirkenden Benachteiligungen von Frauen über deren gesamten Lebensverlauf hinweg.

Dies alles geschieht ungeachtet der Tatsache, dass die Weltgemeinschaft in Konventionen und Abkommen universelle Menschenrechte verankert hat, die gleichermaßen für Männer und Frauen gelten. Ausdrücklich forderte die Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz von Peking, dass alle Hindernisse beseitig werden müssen, „um Mädchen ohne jede Ausnahme die Möglichkeit zu geben, durch den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Ausbildung, Ernährung (…) ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten voll zur Entfaltung zu bringen.“

Um die Diskriminierung und Ausbeutung von Mädchen zu beenden und ihre Rechte zu gewährleisten, bedarf es eines noch stärkeren öffentlichen Bewusstseins für ihre Situation und eines aktiven politischen Handelns, die in den Industrie- ebenso wie in den Entwicklungsländern eine Politik für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Lebenslauf entwickelt. In diesem Sinne hat die kanadische Regierung im Frühjahr 2011 beschlossen, sich offiziell bei den Vereinten Nationen für die Einführung eines Weltmädchentages einzusetzen. Ein solcher Tag soll weltweit auf die Rechte von Mädchen aufmerksam machen, die aufgrund ihrer besonderen Lebenssituationen häufig ignoriert oder verletzt werden.

Weder am Internationalen Frauentag noch am Weltkindertag wird bislang auf die besondere Situation der Mädchen aufmerksam gemacht. In vielen Ländern sind bis heute Mädchen z.B. im Bildungs- und Gesundheitsbereich zurückgesetzt, werden nicht als eigene Rechtspersonen anerkannt und weniger geschützt, obwohl etwa die Konvention über die Rechte des Kindes, die von fast allen Staaten ratifiziert wurde, nicht nur den besonderen Schutz von Kindern betont, sondern die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die eigenen Rechte von Mädchen und Jungen durchzusetzen.

Mädchen erfahren in vielen Ländern häufig Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts - teilweise schon vor ihrer Geburt. Dabei reflektiert die gesellschaftliche Geringschätzung von Mädchen und Frauen eine grundlegend fehlende Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Die Benachteiligung und Ausbeutung von Mädchen ist vielfach eingebettet in kulturelle Denkweisen, Traditionen, Überzeugungen und religiöse Einstellungen. Sie manifestiert eine untergeordnete Stellung der Frau und fördert ihre Diskriminierung im Rechtssystem, wie beispielsweise im Erb- und Besitzrecht. Dieser sozial, politisch und ökonomisch untergeordnete Status von Mädchen und Frauen kann geändert werden.

In diesem Sinne fordere ich die Bundesregierung auf, sich bei den Vereinten Nationen dafür einzusetzen, den 22. September als Weltmädchentag der Vereinten Nationen zu deklarieren.