Ende Juli 2022 führte die Polizei aus Antwerpen auf der Borealis-Baustelle im belgischen Kallo eine Razzia durch. Dabei entdeckten die Beamten 55 Männer aus den Philippinen und Bangladesch, die unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren. Sie hielten sich illegal in Belgien auf. Opferschutzorganisationen sprechen mittlerweile von 174 Opfern. Der Sub-Unternehmer IREM-Ponticelli ließ die Männer für 650 Euro im Monat an sechs Tagen die Woche arbeiten.
Nach Bekanntwerden des Skandals reagierte Borealis umgehend. Das Unternehmen stellte für drei Tage die Bauarbeiten im Hafengebiet von Antwerpen ein, um die Ermittlungen zu erleichtern. Zusätzlich setzte Borealis den Vertrag mit seinem Sub-Unternehmer IREM-Ponticelli aus. Die Zeitung Gazette Van Antwerpen schreibt jedoch, dass Borealis schon seit Mai 2022 von den Zuständen auf der Baustelle wisse.
Auch Petra Bayr reagierte empört. Sie ist Vorsitzende des entwicklungspolitischen Unterausschusses des Nationalrats und Vorstandsmitglied von Parlimentarians for Global Action. „Dass Menschenhandel und Arbeitsbedingungen, die allen rechtlichen Standards spotten, mitten in der Europäischen Union passieren, ist erschütternd und zeigt, dass manche Firmen vor nichts zurückschrecken, wenn es ums Profitmachen geht.“
Weiterlesen: Verdacht auf Menschenhandel: 174 Opfer auf Borealis-Baustelle (arbeit-wirtschaft.at)