Nicht nur im globalen Süden, auch in Österreich ist weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ein Problem. Eine neue Sensibilisierungskampagne will Prävention und Aufklärung leisten.
Probleme beim Urinieren oder während der Menstruation, Komplikationen bei der Geburt, drastische Einschränkung der sexuellen Befriedigung, und im schlimmsten Fall der Tod: Das ist ein Auszug aus der großen Bandbreite an Beschwerden, die "Female Genital Mutilation"(FGM) nach sich zieht. Laut UNICEF werden nach wie vor drei Millionen Mädchen weltweit jährlich einer derartigen Beschneidung der Genitalien ausgesetzt, alle zehn Sekunden wird laut der Kinderrechtsorganisation ein Mädchen unter zwölf Jahren verstümmelt.
Als Österreicher(in) hier mit erhobenem Zeigefinger an die relevanten Communities heranzutreten, sei nicht zielführend und birgt laut Nationalratsabgeordneter Petra Bayr die Gefahr, dass Betroffene noch mehr Halt in der vermeintlich Sicherheit gebenden "Tradition" suchen. Seit fast 20 Jahren setzt sich die SPÖ-Politikerin für dieses Thema ein. Um gelungene Prävention und Aufklärung gewährleisten zu können, brauche es neben finanzieller Ressourcen auch die Möglichkeit zur Supervision für die Menschen aus den Communities, die sich dieser herausfordernden Arbeit widmen.
Dabei ist die Präventionsarbeit in Österreich auf einem guten Weg: In Wien gibt es mittlerweile drei Kliniken mit einer FGM-Ambulanz. Ausgehend vom FEM Süd, das als Pionier auf dem Gebiet der "community based Prävention" gilt, werden zudem auch in den Bundesländern entsprechende Maßnahmen entwickelt. El Jelede stellt Österreich in dieser Hinsicht ein gutes Zeugnis aus. Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Möglichkeiten zur Prävention innerhalb der Communities hier wirklich gut.
Trotzdem braucht es laufende Unterstützung. Bayr, die auch Gründerin der Plattform "Stop FGM" und Präsidentin des "European Parliamentarian Forum on Sexual and Reproductive Rights" ist, versucht das Thema in der Politik präsent zu halten und Ressourcen für den Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit zu gewinnen. Sie fordert in diesem Bereich eine evidenzbasierte Politik, die Frauen ein Leben in Würde, Gesundheit und Selbstbestimmung garantiert. Dazu gehört für sie auch das Wissen, dass Sexualität etwas Erfüllendes sein kann.
Weiterlesen: "Furche" Nr. 18 / 2022 vom 05.05.2022 Seite 9