EIGE-Studie: Geschlechtsspezifische Gewalt kostet Österreich über 7 Milliarden Euro pro Jahr
Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) hat, in einer heute präsentierten Studie, die Kosten für geschlechtsspezifische Gewalt in der EU mit 366 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Gewalt gegen Frauen macht 79 Prozent dieser Kosten aus (289 Mrd. Euro).
„Österreich muss jährlich über 7 Milliarden Euro für die Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt aufwenden. Trotzdem reicht das Geld, das für die Unterstützung der Opfer ausgegeben wird, bei Weitem nicht aus. Die Ausgaben für Frauenhäuser und ähnliche Schutzräume machen nur 0,4 Prozent der erhobenen Gesamtkosten aus. Die Bundesregierung muss Maßnahmen setzen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern und die Opfer besser zu schützen - das ist vor allem aus menschenrechtlicher aber auch aus ökonomischer Sicht dringend notwendig“, fordert Petra Bayr, Nationalratsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Gleichbehandlung und Antidiskriminierung der parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Intime Partnergewalt, die während der Covid-19-Pandemie sprunghaft angestiegen ist, macht laut EIGE-Studie fast die Hälfte (48 Prozent, 174 Mrd. Euro) der Kosten für geschlechtsspezifische Gewalt aus. 87 Prozent (151 Mrd. Euro) davon sind Folgen der Gewalt gegen Frauen.
Die Studie schlüsselt die verschiedenen Ausgaben für die Folgen von geschlechtsspezifischer Gewalt auf, wobei der größte Anteil die Folgen körperlicher und emotionaler Gewalt ausmacht (56 Prozent), gefolgt von den Kosten für die Strafverfolgung (21 Prozent) und der entgangenen Wirtschaftsleistung (14 Prozent). Weitere Kosten entstehen durch Zivilrechtsverfahren (z. B. für Scheidungen und Sorgerechtsverfahren), Wohnbeihilfe und Kinderschutzmaßnahmen. „Wir brauchen in Österreich mehr und detailliertere Daten über geschlechtsspezifische Gewalt. Das fordert auch die Istanbul-Konvention, die Österreich bereits 2013 ratifiziert hat“, ruft Bayr die Bundesregierung auf aktiv zu werden.
In der vorliegenden Studie wurden die Kosten geschlechtsspezifischer Gewalt in der EU und den einzelnen Mitgliedstaaten aufgrund von Zahlen aus dem Vereinigten Königreich berechnet, weil hier die Datenlage im Vergleich zu anderen Ländern relativ gut ist.
Das EIGE stellt in ihrer Studie auch Methoden zur Berechnung der Kosten geschlechtsspezifischer Gewalt zur Verfügung, die von allen EU-Mitgliedstaaten für die Erstellung ihrer eigenen nationalen Kostenschätzungen genutzt werden können. "Diesen methodischen Schatz muss auch Österreich dringend heben, um vermehrt evidenzbasierte Politik im Bereich des Gewaltschutzes gestalten zu können!“, so Bayr abschließend.
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