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Wien (APA) - Der UNO-Weltbevölkerungsbericht beleuchtet erstmals die Rolle der Männer in bewaffneten Konflikten und Krisensituationen. Thematisiert werden insbesondere die Schwierigkeiten, erlebte oder mitangesehene Gewalt zu bewältigen. Die Traumatisierung kann dazu führen, dass Opfer selbst zu Tätern werden und Gewalt an Frauen ausüben, wie der Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger bei der Präsentation des Berichts des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) am Mittwoch in Wien aufzeigte. Öllinger sah auch einen Bezug zu Österreich.
Der Weltbevölkerungsbericht liefere Ansatzpunkte, um die Situation von tschetschenischen Flüchtlingen "nicht nur zu begreifen, sondern auch zu verändern". Österreich dürfe "nicht darauf vertrauen, dass sich die traumatisierten Männer irgendwie integrieren", sagte der Grüne Sozialsprecher Öllinger: Es müssten Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um den Männern bei der Konfliktbewältigung Unterstützung anzubieten.
Hauptleidtragende von Konflikten weltweit sind Frauen. Auch das kommt aus dem Weltbevölkerungsbericht 2010 eindeutig hervor. Geschlechtsspezifische Gewalt wie Vergewaltigungen sei ein immer häufiger eingesetztes strategisches Instrument der Kriegsführung. "Traumatisierung kann sich lang nach dem Krieg negativ auf gesellschaftliche Strukturen auswirken, Gesellschaften auch destabilisieren", betonte NR-Abgeordnete und SPÖ-Entwicklungssprecherin Petra Bayr. Eine Lösung liegt in "Empowerment", also Bildung, Gleichberechtigung und Stärkung von Frauen sowie in der Einbeziehung von Frauen in den Wiederaufbau.
Gebildete, selbstbestimmte Frauen sind eher in der Lage, unerwünschte sexuelle Kontakte zu verweigern und über Geburtenkontrolle zu entscheiden. Gerade in Konfliktsituation seien ungewollte Schwangerschaften ein gesundheitliches Problem, wenn die medizinische Versorgung nicht gewährleistet ist. 1000 bis 1500 Frauen weltweit sterben täglich, während sie gebären, sagte Bayr. 99 Prozent davon in weniger entwickelten Regionen.
Von der weltweiten Gesamtbevölkerung von 6,91 Millionen Menschen leben 5,67 Millionen in weniger entwickelten Regionen. Hier beträgt das Bevölkerungswachstum 1,4 Prozent, während es in stärker entwickelten Regionen 0,3 Prozent ausmacht. In den ärmsten Gegenden sterben 79 Säuglingen pro 1.000 Lebendgeburten, in den reicheren Ländern sind es 6. Geschätzte 215 Millionen Frauen würden laut Bayr gern verhüten, haben aber keinen Zugang zu Verhütungsmittel. Knapp 80 Millionen Frauen werden jedes Jahr ungewollt schwanger.
Die Zahl der Geburten von Jugendlichen liegt in den ärmsten Regionen bei 103 pro 1.000 von Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren. In Österreich gibt es 13 Teenager-Geburten pro 1.000 Jugendlichen. Österreich ist in diesem Bereich im Vergleich zu Ländern wie die Niederlande (4), Slowenien oder Italien (je 5) "nicht wirklich gut", wie Öllinger sagte. Während etwa in Norwegen 88 Prozent verhüten, seien es in Österreich gerade einmal 51 Prozent.
Weltweit sind mindestens 15 Millionen junge Menschen in Konflikten und damit zusammenhängenden Notsituationen von HIV/Aids bedroht. Laut NR-Abgeordneter und ÖVP-Jugendsprecherin Silvia Fuhrmann leben 1,8 Milliarden junge Menschen auf der Erde, die meisten davon in Entwicklungsländern. Sie sind dort mit drei Problemfeldern konfrontiert: Armut, Gewalt und übertragbaren Infektionskrankheiten.
( S E R V I C E: http://www.weltbevoelkerung.de/ bzw. http://www.unfpa.org/swp/register/ ) (Schluss) ade/za
APA318 2010-10-20/12:57