"Tiroler Tageszeitung" Nr. 73 vom 15.03.2011 Seite: 7
Ressort: Thema 5 u 6
Wien - Wann, wenn nicht jetzt, scheinen sich die Spitzen der Grünen angesichts der Atomkatastrophe in Japan gedacht zu haben. Also traten sie gestern mit Bundessprecherin Eva Glawischnig an der Spitze gleich zu sechst vor die Medien, um ihrer Forderung nach einem völligen Atomausstieg Nachdruck zu verleihen. Beginnen müsse der Ausstieg mit Risikoreaktoren in den Nachbarländern.
Die Grünen setzen bei der Forderung nach einem Atomausstieg auch auf ihre Schwesterparteien, betonte die EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek: „Wir Grünen sind die einzigen, die auf europäischer Ebene und weltweit gegen diese Zerstörungstechnologie antreten."
Der Regierung warfen Glawischnig und Lunacek vor, in Österreich zwar gegen die Atomkraft aufzutreten, diese Haltung auf EU-Ebene aber nicht ausreichend zu vertreten. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) etwa sollte mit ihrem Veto die anstehende Finanzierung des Euroatom-Forschungsprogramms für die Jahre 2012 und 2013 blockieren.
Gar nichts halten die Grünen vom Vorschlag von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP), die europäischen Atomkraftwerke einem „Stresstest" zu unterziehen und so deren Sicherheit zu überprüfen. Dieser Test sei unnötig; Ziel müsse die Stilllegung der Reaktoren sein.
Berlakovich hat seinen Vorstoß gestern den EU-Umweltministern vorgelegt. Nach eigenen Angaben hat er dabei auch positive Reaktionen bekommen. In Österreich stößt die Idee aber auf Skepsis. Selbst Petra Bayr, Umweltsprecherin des Koalitionspartners SPÖ, sprach von einer „Placebo-Aktion" ohne Nutzen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezweifelt, dass die Tests ein Mehr an Sicherheit bringen würden.
Für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist durch die Ereignisse in Japan einmal mehr belegt, dass Atomkraftwerke ein völliger Irrweg seien. Er fordert eine Sondersitzung des Nationalrats, um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.
BZÖ-Obmann Josef Bucher forderte eine Initiative von Land und Bund für eine rasche Schließung des AKW Krsko in Slowenien. (sabl)